
Tut Akupunktur weh? – Die Gretchen-Frage
Zunächst einmal ist das Schmerzempfinden bei jedem bekanntlich anders. Nach der chinesischen Medizin ist die Haut umso empfindlicher je geringer die Lungenenergie des/der Patienten/In ist. ALSO: je gesünder man ist (oder durch die Behandlung wird) um so weniger schmerzen die Nadeln.
Ein weiterer Aspekt: oft benutze ich in der Behandlung so genannte energetische Punkte. Wenn ein solcher Punkt beim Einstechen oder auch danach noch schmerzt, bedeutet das für gewöhnlich, dass blockierte Energie ins Fließen kommt.
Aus dem Gesagten könnte man schließen, dass Akupunktur um so mehr wirkt, je stärker die Schmerzen dabei sind. Das stimmt und stimmt auch wieder nicht.
Ein Beispiel:
Ich hatte mal eine Patientin, bei der schmerzte allein das Aufsetzen der Nadel auf den Akupunkturpunkt so stark, dass sie mir nicht erlaubte, die Nadel einzustechen. (Was ich natürlich auch nicht gemacht habe.) In diesem Fall hat sie allerdings auch die Chance vertan, ihre jahrzehntelangen Rückenschmerzen zu besiegen. Es handelte sich um einen Punkt aus der Trauma-Akupunktur, und da stecken oft dermaßen pathologische Energien zum Beispiel aus erniedrigenden sexuellen Erfahrungen, aus der “ganz normalen” Sauberkeits- oder Sexual-Erziehung, dass die verdrängte Angst und Wut sich als scheinbar unerträglicher Schmerz maskiert.
Es gibt allerdings auch schlechte Gründe für Schmerzen bei der Akupunktur, zum Beispiel wenn sich der/die Patient/In bei oder nach dem Einstechen bewegt und dadurch die Nadel zwischen verschiedene Muskelspannungen ger&aauml;t. In diesem Fall korrigiere ich den Nadelsitz erneut, bis ich feststelle, dass die Nadel locker sitzt. Wenn sie dann noch weh tut, liegt das mit Sicherheit an pathologischen Energien, die sich freisetzen, oder an “guten” Energien, die wieder in Fluss kommen, und der/die Patient/In kann darauf vertrauen, dass die unangenehmen Empfindungen sich in Kürze zurückbilden.
Trauma-Akupunktur
In den letzten Jahren haben verschiedene, “zugefallene” Puzzle-Steine in meinem Leben zur Entdeckung dieser Art von Akupunktur geführt.
Was ist eine Traumatisierung?
Die energetische Erstarrung im Gefolge einer lebensbedrohenden (oder als lebensbedrohlich empfundenen) Situation.
Erläuterung:
Normalerweise gibt es zwei “gesunde” Reaktionen auf Bedrohung:
Wenn beides nicht (mehr) möglich ist, bleibt nur noch der Totstellreflex. Dieser hat wahrscheinlich die Funktion, den Schmerz bei dem erwarteten Tod auszuschalten oder zu minimieren. Wenn nun der Tod ausbleibt, aber das Erlebnis nicht abgeschüttelt werden kann, bleibt eine Traumatisierung übrig.
Das berühmte Beispiel von der Antilope und dem Tiger:
Ein Tiger ist hungrig und schleicht eine Antilope als Beute an. Diese bemerkt die Bedrohung im letzten Moment und flüchtet. Aber der Tiger ist schneller, springt auf ihren Rücken. Bevor er zubeißen kann, erstarrt sie. Aber, durch “Glück” wird der Tiger genau in dem Moment, wo er zubeißen will, abgelenkt und lässt von seinem Opfer ab.
Was passiert - zum Erstaunen des (allzu) menschlichen Beobachters? Die Antilope bleibt noch für den Bruchteil einer Sekunde wie erstarrt auf dem Boden liegen, dann springt sie auf, schüttelt sich, hüpft zu ihrer Herde zurück und grast weiter, als wäre nichts passiert.
Ich überlasse es dem/der Leser/in sich auszumalen, wie ein Mensch normalerweise nach einem entsprechenden Erlebnis reagieren würde...
Was machen nun die Akupunkturnadeln?
Sie setzen genau diese erstarrte Energie frei, sodass es zum Abschluss der unterbrochenen Reaktionskette, also zum “Abschütteln des Schocks” kommt.
Das Wichtigste während der Behandlung:
Erläuterung:
Weise Leute der unterschiedlichsten Kulturen erzählen uns, dass wir von unserer Geburt an trainiert werden, die Welt nach einem einfachen Muster zu beurteilen und entsprechend zu reagieren. Dieses Muster sieht so aus:
Glaubenssatz Nr. 1: “Alles was angenehm ist, ist gut für uns.” Also reagieren wird mit Verlangen und stressen uns, mehr davon zu bekommen.
Glaubenssatz Nr. 2: “Alles was unangenehm ist, ist schlecht für uns.” Wir reagieren mit Abneigung und sogar Wut oder Angst und stressen uns, in der Hoffnung, das Unangenehme loszuwerden.
Was wäre die Alternative: Gelassen bleiben. Dann gibt einem die innere Stille die Weisheit, wann, wie schnell und ob überhaupt man reagieren muss.
Tun Sie NICHTS !!
Erläuterung:
Beobachten Sie ihren Körper, als wären Sie ein neutraler Forscher, der interessiert die Empfindungen dieses (also ihres eigenen) Körpers untersucht.
So ist es richtig:
Also zum Beispiel notieren Sie in ihrem “Forschergeist”: Aha, da ist also jetzt ein Kribbeln am linken Unterarm bis zum Ellenbogen. Aha, jetzt ist es wieder weg. Aha, jetzt fühlt sich das rechte Bein an, als würde es nach außen gedreht... etc., etc.
Oder: Jetzt ist Angst aufgetaucht. Aha, wie fühlt die sich im Körper an. Aha, jetzt ist Ärger aufgetaucht - was fühle ich jetzt dabei in meinem Körper...
Aber bitte nicht:
Oh, da ist ein angenehmes Kribbeln im linken Unterarm bis zum Ellenbogen. Warum geht das nicht weiter bis zur Schulter? So, das gefällt mir nicht! Ich konzentriere mich jetzt darauf, dieses Kribbeln zu verlängern...
Oder: Was ist das? Mein rechtes Bein fühlt sich an, als würde es nach außen verdreht. Das kann doch nicht richtig sein. Jetzt drehe ich mal schnell mein Bein wieder nach innen.
Schenken Sie während dieser kurzen Zeit Ihre Aufmerksamkeit ganz Ihrem Körper!
Erläuterung:
Die meisten Menschen werden feststellen, wie schnell ihre Gedanken bei etwas anderem sind: den Alltagssorgen, den Plänen, manchmal sogar sinnlose Gedankenfetzen, oder Erinnerungen werden noch einmal durchgekaut.
Wenn Sie das bemerken, reagieren Sie nicht enttäuscht oder sauer auf sich selber, sondern lenken Sie Ihren Geist einfach wieder auf die Beobachtung Ihres Körpers. Sie nutzen dadurch die Akupunktur als Gelegenheit zu trainieren, in der Gegenwart zu leben!